Auf den Löwenbrunnen des Guiseppe Valadier

(Piazza del Popolo, Rom)

Er schlug ihn aus dem Stein, diesen wie für immer
ruhenden Löwen. Kein König der Wildnis, ein gefügig,
ein nützlich gemachtes Tier, weggemeißelt alles
Raue, Fremde, die Ohren Menschenohren, menschlich
die geneigten Nasenlöcher – niemals haben sie
Weite gewittert, den Duft eingesogen der Savanne...

Aber kannte Valadier denn lebende Löwen?
Menschen kannte er, und kannte sie gut. Wusste,
dass sie Natur nur gebändigt ertragen, ihre Geschöpfe
bezwungen und unterwürfig. (Wie auch er
untertan war seinem päpstlichen Auftraggeber.)

So zähmte er den Löwen seiner Imagination,
gab ihm – wen höhnte er da? – ein nacktes
Altmännergesicht. Von der Mähne ließ er ihm den
Latz ums Kinn, darüber kein Maul, ein gespitztes
Mäulchen bloß... Nie wird dieser Löwen den Rachen
aufreißen, weit – und zu markerschütterndem Gebrüll.